Theater der Vampire - Vampire Live Rollenspiel mit Nordic LARP Elementen -
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Cay

Vampirin, Haus Magnus

(dargestellt von Tanja Cibulski)

"You are the night and the night alone understands you und enfolds you in its arms.
One with the shadows. Without nightmare. An inexplicable peace.
Yet I could feel the end of this peace as surely as I’d felt my brief surrender to it,
and it was breaking like the dark clouds."
(Anne Rice)


Paris 1859

Das Morgengrauen war nicht mehr weit. Das Licht in dem Hotelzimmer veränderte sich kaum merkbar. Als wenn nur eine der vielen Kerzen ausgelöscht und die Schatten etwas dunkler wurden. Und plötzlich waren sie überall in dem Raum. Gestalten mit weißen Gesichtern in dunklen Gewändern. Die Schwärze ihrer Kleider schien alles Leuchtende in diesem Zimmer zu verschlucken.

Louis schob Claudia zur Tür hinaus. „Lauf“ schrie er und stellte sich vor die Tür, um sie vor den Gestalten zu verteidigen. Blut lief aus tiefen Wunden über die Gesichter, wo immer er sie traf, doch es waren zu viele. Arme griffen nach Louis und nach Madeleine und schleppten sie aus dem Hotel ins nächtliche Paris. Das grelle Lachen der Gestalten übertönte das leise Schluchzen von Madeleine...

...weit war Claudia nicht gekommen. Sie hatten draußen auf sie gewartet. In dem Moment, als sie das Hotel verließ, waren die schwarzen Gestalten über ihr. Sie wehrte sich mit aller Kraft, die ihr kleiner Körper hatte. Doch wie eine Puppe, wurde sie in Windeseile davongetragen, so dass ihre Schreie Louis nicht mehr erreichten. Sie hörte nur das blecherne Lachen der Schatten, während sie von ihnen durch die dreckigen Straßen von Paris geschleift wurde.

Irgendwann erreichten sie das Theater, wo sie ihr das gelbe Kleidchen vom Leib rissen und sie durch eine Tür in einen Brunnenschacht stießen. Dann wurde es still, bis auch Madeleine durch diese Tür gestoßen wurde. Und nur das leise Weinen der beiden war noch zu hören, bis die Sonne aufging. Und das Weinen wurde zu einem fürchterlichen Schrei...



Dingle 1984

Meine Beine fühlten sich irgendwie falsch an, als wären sie gebrochen. Zusätzlich war ich unter einigen schweren Steinen eingeklemmt, die es mir sowieso unmöglich machten, mich zu bewegen..und draußen hörte ich, wie die anderen Kinder schreiend wegliefen. Zuerst überkam mich Panik. Ich versuchte mit aller Kraft die Steine von mir zu bewegen. Meine Hände rissen auf, Blut lief über meine Finger. Ich dachte nur „raus hier bevor die Sonne aufgeht und ich sterben muss“ und es erschien mir wie ein Dejà-vu...auch wenn ich noch nicht verstand warum. Irgendwann gab ich es auf, weil meine Kraft nachließ. Ich versuchte mich, in eine halbwegs bequeme Position zu begeben und begann, auf den Tod zu warten...

...es war als hätte der Tod selbst den Raum betreten. Mir schoss ein Wort durch den Kopf, auch wenn ich es nicht sofort verstand: „Vampir"...

...er kam näher und ich war gelähmt vor Angst. Die Schmerzen in meinen Beinen spürte ich nicht mehr. Was nun folgte, war einer jener Momente, die im Film häufig in Zeitlupe gezeigt werden. Alle Umgebungsgeräusche schienen zu verstummen. Eine Wolke gab den Mond frei und das Licht fiel durch das Loch auf den Dunkelhaarigen und mich. Ich konnte seine Augen sehen...und ich erkannte ihn. Ich hatte ihn noch nie in meinem Leben gesehen und dennoch war er mir so vertraut. Ich wusste was er war und wie er sich anfühlte. Ein wunderschönes, warmes unbekanntes Gefühl durchströmte mich. Und obwohl ich nie vorher geliebt hatte, so wusste ich doch, dass es Liebe ist.




Köln 1996

„Ich soll mir einen Freund suchen? Wie denn, wenn alles was mein Herz erträumt, Du bist? Louis, ich liebe Dich,…habe nie jemand anderes geliebt. Ich wünsche mir nichts mehr, als Deine Geliebte zu sein, anstatt Deine Tochter. Sieh mich doch an. Ich bin jetzt bald so alt wie Du warst, als Du geschaffen wurdest.“

Wieder schien er schockiert. „Aber Cay, Du bist mein Kind. Wie könnte ich Dich als etwas anderes sehen? Ich liebe Dich auch, aber so wie ein Vater seine Tochter liebt. Wie kann ein Vater seine Tochter zu seiner Geliebten machen? Cay, vergiss Deine Jugendschwärmereien, denn dafür bin ich nicht der richtige.“

Nun hatte er es ausgesprochen. Eine Welt brach für mich zusammen. Alle Hoffnungen waren zerstört. Was ich dann sagte, habe ich schon manches Mal bereut: „Dann geh aus meinem Leben, Louis. Ich werde in Dir nichts anderes mehr sehen können, als den Zerstörer meiner Träume. Um unser beider Willen, verschwinde und komm nie wieder.“




Gelsenkirchen 2005

Die Nacht, in der Cay in die Dunkelheit geboren wurde, stand symbolisch für ihr bisheriges Leben. Nichts war so, wie sie es erwartet hatte, auch wenn alles so schön begann. Es war das Neujahrsfest des Hauses Khaan. Cay konnte es nicht verstehen, dass obwohl sie ihr Herz verschenkt hatte, der Platz an ihrer Seite leer war. Ihre einzige Hoffnung, den Abend erträglich zu gestalten war der Rausch. Und einen Rausch sollte sie erhalten. Noch heute verschwimmen die Ereignisse der Nacht in ihren Erinnerungen wie eine Fata Morgana: Nekhrun, der ihr lächelnd ein Getränk in die Hand drückt...Yussuf und seine Geschichten...überall Puppen...Zähne, die sich in ihren Hals bohren und katzenhafte Augen, die sie in ihren Bann ziehen...geistreiche Gespräche mit Lawrence...eine Feige, die wie ein Hühnerbein schmeckt...ein blonder Prinz und das Versprechen der Unsterblichkeit.

Das Versprechen der Unsterblichkeit. Der Rausch war mittlerweile vorbei und alles was Cay suchte war ein neuer Rausch, der sie ihren Schmerz erneut vergessen lassen würde. Es war ein Vampir, der sie erneut erhörte. Lawrence gab ihr das, was ein anderer ihr einst versprochen hatte, den Rausch der Unsterblichkeit. Den Rausch des dunklen Kusses. Und so wurde sie ein zweites Mal in die Dunkelheit geboren.



Rhede 2006

Wie kann ich Dir beschreiben, wie ich mich jetzt fühle? Wie kann ich Dir beschreiben, wie die Nacht sich verändert hat, jetzt wo ich sie mit den Augen der Unsterblichen sehe? Wie kann man einem Blinden die Farbe rot beschreiben?

Wie wunderschön doch ein Mensch sein kann, wenn noch das Blut durch seine Adern fließt. Gerade dann, wenn der Durst wieder schmerzt, wie ein Messer im Leib...gerade dann, wenn man nicht mehr die Hülle sieht, sondern nur noch der Ruf ihrer Herzen in den Ohren widerhallt. Dann entdeckt man in jedem von ihnen die wahre Schönheit. Doch dann, wenn ihr Blut durch meine Kehle geflossen und der Körper in meinen Armen zusammengesackt ist, dann ist er nichts weiter als nur eine Leiche. Ähnlich wie eine Blume, die in dem Moment zu welken beginnt, in dem man sie pflückt.

Ja, ich habe gelernt, die Nacht zu trinken.

Doch es ist nicht das Töten, was mir Leben schenkt. Denn obwohl mein Herz nicht mehr schlägt, so spüre ich dennoch die Sehnsucht und die Leidenschaft darin. Und jeder Atemzug flüstert seinen Namen. Es ist die Liebe, die mich spüren lässt, dass ich immer noch lebe. Mein dunkler Engel hat den Weg in mein Herz gefunden.




Wiesbaden 2007

"Einsam und verlassen, das Herz gebrochen. Gefangen in einer Mischung aus Wut und Trauer. War ich etwa zur Existenz nicht fähig? Es schien so, als ich den alten Friedhof betrat und ihn als meine Ruhestatt wählte.

Jahre um Jahre vergingen. Ich fühlte nichts mehr. Ich lauschte. Wie ein Radio, das 1000 Sender gleichzeitig spielte, drangen die Geräusche der Welt an mein Ohr. Während ich versuchte zu sterben, schien mich die Welt da draußen zu verhöhnen. Immer wieder fühlte ich ihren Ruf in meinem Blut, doch war ich unfähig mich in meinem kühlen Grab zu regen. Mein ganzer Körper bestand nur aus Durst, doch war ich zu schwach ihn zu stillen.

Und so ging die Zeit dahin und ich wurde zum Träumer. Realität und Traum verschwammen zu einer zähen Masse. Nur der Durst schien mich am Leben zu halten."




Wiesbaden 2013

Seltsame Geräusche drangen aus der alten Gruft, die schon seit Jahrzehnten vernachlässigt schien. Moos war über den weiblichen Steinengel gewachsen, der den Eingang zierte. Dornenbüsche umgaben die Gruft, wie ein Dornröschenschloss.

Dünne knochige Finger bohrten sich durch die Ritzen der schweren Steinplatte und drückten sie mit einem kratzenden Geräusch auf. Krachend fiel sie zu Boden. Staubige Dunkelheit verbarg anfangs noch die auszehrte knochige Gestalt in Lumpen gehüllt, die aus dem inneren der Gruft hervorkam. Nur ein leises Zischen kam aus ihrer Kehle, bevor sie blitzschnell in den nächtlichen Schatten der Bäume verschwand.

Es war Zeit für eine lange Jagd. Es war Zeit das Leben der anderen wieder im eigenen Körper zu spüren. Es war Zeit das Geschenk der Unsterblichkeit erneut zu erleben.

Cay
Datum:   03.03.2006
Autor:   Cay
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Theater der Vampire - Vampire Live - von M. Schroeder
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