Theater der Vampire - Vampire Live Rollenspiel mit Nordic LARP Elementen -
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2005.05.28 - Momente in Gedanken

"We have seen the best of our time. Machinations, hollowness, treachery,
and all ruinous disorders to follow us disquietly to our graves."
(Shakespeare, King Lear)


Sir Archibald blickte aus dem kleinen holzgerahmten Fenster hinaus in den Garten jenes altbremer Stadthauses, welches vorübergehend die Unterkunft von ihm und den Seinigen war. Es war eine sternenklare warme Sommernacht und eine milde Brise durchwehte das hochgewachsene Gras des verwilderten Fleckchen Landes unter ihm. Die wogenden Bewegungen der Halme erinnerten ihn unwillkürlich an seine Zeit in Indien, als einmal eine seiner zahlreichen Baumwollplantagen inspizierte. Doch war es dort, wie er wusste, keine wohltuende trockene Wärme, sondern eine drückende schwüle tropische Hitze, die den Arbeitern zu schaffen machte. Sir Archibald dachte stets gerne an diese Zeit zurück. So viele Jahre in seinem unsterblichen Dasein auch vergehen mochten, er würde doch immer ein Reisender und Abenteurer mit einer Vorliebe für exotische Länder bleiben.

Dieser Gedanke brachte ihn wieder auf seine aktuelle Gegenwart im deutschen Bremen und seine Stimmung sank augenblicklich. Noch nicht lange waren sie hier in dieser Stadt gewesen und schon hatte er herausgefunden, dass es andere Unsterbliche hier gab. Alteingesessene hanseatische Kaufleute waren sie und – den Geboten der Höflichkeit folgend – hatte er ihre Einladung in den Räumlichkeiten der alten Handelskammer annehmen müssen.

Er hatte gehofft, dass in dieser kleinen Stadt keine anderen Vampire ansässig waren, doch diese Hoffnung hatte sich zu seinem Missvergnügen nicht erfüllt. Er sorgte sich darum, dass Mary, die junge Frau, die die Erwählte des Hauses Fox war, Schaden durch diese Leute erleiden könnte. Zu oft schon hatte das Haus Fox erfahren müssen, wie ihm seine Erwählten verlorengingen. Das würde er nicht noch einmal zulassen.

Aus eben jenem Grunde hatte er auch die Einladung des Hauses Hardenberg wohlweislich nicht angenommen.

Zudem gab es mittlerweile einen weiteren Grund, weshalb Sir Archibald die Stadt im Augenblick möglichst nicht verlassen wollte. Er hatte eine junge Frau gefunden, welche ebenso wie Mary geprägt war. Was für ein glücklicher Zufall – spielte doch seine Leidenschaft für Indien eine tragende Rolle bei diesem Zusammentreffen!

Da Archibald sich immer für abenteuerliche Forschungsexpeditionen und Entdeckungen in fernen Ländern interessierte, studierte er mit grossem Vergnügen Veröffentlichungen von Wissenschaftlern, die von solchen Unternehmungen zurückkamen. So erfuhr er von einer jungen Biologin, die Forschungsarbeiten über eigentümliche exotische Fische aus indischen Mangrovenwäldern betrieben hatte. Er war neugierig gewesen und arrangierte ein erstes Zusammentreffen, bei der zu seiner positiven Überraschung festgestellt hatte, dass diese sympathische schüchterne Frau eine Geprägte war.

Noch hatte er sich ihr nicht offenbart, doch hoffte er, dies bald tun zu können. Ebenso hoffte er, dass sie keinem der hier ansässigen Unsterblichen begegnen möge.

Sir Archibald straffte sich und sah zu dem kleinen Mahagonitisch rüber, auf dem die Statue der Göttin Kali stand, die er einst als Souvenir und Talisman aus Indien mitgebracht hatte. Das Gesicht der Figur wies in der Mitte der Stirn ein drittes Auge auf, welches die dreifache Weisheit der Göttin symbolisierte. Weisheit......ja, die war im Umgang mit anderen seiner Art gefragt und Archibald dachte darüber nach, ob es wirklich so klug war, jeglichen Kontakt mit dem Hof der Nacht zu meiden. Schliesslich war das Haus Fox nicht irgendein Haus, sondern bestand aus Mitgliedern althergebrachten englischen Adels. Er lächelte in sich hinein. Nein, verstecken brauchten sie sich wirklich nicht und sollte es ein Mitglied irgendeines anderen Hauses jemals wagen, den Seinen zu nahe zu treten so würde dieser die Folgen zu spüren bekommen. Er nahm sich vor, zukünftig seiner Neugier freien Lauf zu lassen um mehr über die Gesellschaft der ewigen Nacht zu erfahren.

Er stieg die Treppe hinab in der Absicht, einen nächtlichen Spaziergang zu unternehmen. Seine Kusine Beatrice war bereits bei Einbruch der Dunkelheit auf die Suche nach Beute gegangen und er beschloss es ihr nachzutun. Er war hungrig.

2005.05.28 - Momente in Gedanken
Datum:   11.06.2005
Autor:   Luna
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Theater der Vampire - Vampire Live - von M. Schroeder
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