Theater der Vampire - Vampire Live Rollenspiel mit Nordic LARP Elementen -
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2005.03.25 - Zusammenkunft an Karfreitag bei Isidor

Isidor von Xanten hatte zu einem spontanen Treffen an Karfreitag geladen und auf besondere Einladung von Morgana de Severin begaben Calliope und ich uns hin. Es war eine kleine Zusammenkunft; außer Isidor, Morgana, Olivia und Herrn Rijksvogt waren Jonathan, Josephine und Wolf vom Haus Khaan und wir beide anwesend. Zudem war eine ahnungslose Fremde erschienen, sie glaubte in Josephine eine Bekannte wieder zu erkennen.

Leichter Smalltalk über Manieren und Gewohnheiten wurde geführt, an dem Calliope und ich wenig Interesse hatten und so machten wir es uns gemütlich. Bald gesellte sich Morgana zu uns und beteiligte sich an unseren Zärtlichkeiten. Mit ihrer katzenhaften Sinnlichkeit wirkte sie eher wie eine Zierde des Hauses Nekhrun als ein Mitglied des Hauses Lucius...

Unser Trio erweckte die Aufmerksamkeit – und offenbar auch das Missfallen – Jonathans, der sein Unverständnis über unser Benehmen äußerte. Er blickte mich an, offenbar reizte ihn ein so laszives Verhalten noch mehr bei einem Mann. In dem Versuch Spannungen zu vermeiden bot ich in aller Höflichkeit eine Erklärung an – dass jeder seinen Weg geht; der eine den Weg des Herrschers, der andere den Weg des Kriegers und ich eben den Weg eines Tänzers, was zumindest Isidor zu gefallen schien. Überraschenderweise zog Jonathan Parallelen zwischen Tanzen und Kämpfen und fragte, ob eine Vorführung meiner Künste möglich wäre. Dass keine Partnerin anwesend war und ich ihn vertrösten musste, schien er zu bedauern.

Er ist mir ein Rätsel; hinter der ruhigen, disziplinierten Fassade eines Kriegers scheint ein Raubtier zu lauern, das noch blutrünstiger und unberechenbarer ist als alle anderen...

Die beunruhigende Stille wurde beendet als Olivia in Frage stellte, welches Interesse Frauen an einem Tänzer hätten, da sie von Männern nur Schutz bedürften. Calliope widersprach dieser verstaubten Einstellung, stand für die Selbstständigkeit der Frauen ein. Nun begann eine Diskussion darum, ob Frauen sich selber schützen können. Da Isidor bereits zu Beginn des Abends etwas gereizt auf Calliope reagiert hatte, machte ich mir Sorgen um sie und lenkte das Gespräch auf die Frauen des Hauses Khaan, um von ihrer Person abzulenken, was mir zum Glück gelang. Wir schienen wieder vergessen und das Damoklesschwert zog an unseren Köpfen vorbei zu der ahnungslosen Besucherin...

Beruhigt widmete ich mich wieder den Zärtlichkeiten mit Calliope und Morgana, doch die Ruhe währte nicht lange. Offenbar versuchte man die Fremde über Vampire aufzuklären, doch sie weigerte sich es zu glauben. So entschloss sich Isidor zu einer Demonstration des Unterschiedes zwischen seiner Unsterblichkeit und einem Sterblichen. Beunruhigt musste ich feststellen, dass seine Augen mich fixierten und seine Hand in meine Richtung wies.

„Santiago?“ fragte er. Als ich in seine kalten Augen starrte, erschien das Bild der blutüberströmten Frau auf dem Ball und wie er sie freundlich zu sich nahm, um sie zu töten, wieder in meinem Kopf und mein Herz begann zu rasen. Ich spürte wie Calliope meine Hand ergriff und sie krampfhaft festhielt, sie hatte Angst um mich. Doch was sollte ich tun? Wenn Isidor heute Nacht reizbar war, könnte meine Weigerung seine Wut wecken. Und würde Jonathan zornig werden wegen meiner Feigheit? Ich trat vor Isidor und versuchte gelassen und ruhig zu wirken.

„Was passiert, wenn man in eine Hand schneidet?“ fragte er die ahnungslose Fremde. Ich ließ mich vor direkt ihm nieder. Hoffentlich würde es bei einem Schnitt in die Hand bleiben...

Die Antwort der Fremden entging meiner Aufmerksamkeit, denn Isidor ließ sich ein kurzes Schwert von einem altarähnlichen Tisch reichen. Ohne hinzusehen zog er die schlichte aber scharfe Klinge durch seine linke Hand und zeigte uns die Wunde. Dunkles, zähflüssiges Blut floss reichlich aus dem tiefen Schnitt. Die Wunde sah übel aus. Ich schluckte, hob jedoch langsam meine Hand und hielt ihm die Handfläche hin. Isidor blickte immer noch die Fremde an, doch seine Wunde begann sich auf übernatürliche Weise zu schließen; nach einem Augenblick war die Hand nur noch mit Blut beschmiert, von einer Wunde keine Spur.
„Ohne jetzt Santiago verletzen zu müssen können wir uns wohl darauf einigen, dass das kein normaler Mensch kann, oder?“ sagte Isidor, gab das Schwert weg und entließ mich mit einem kurzen Nicken. Als ich mich wieder zu Calliope setzte, ergriff sie erleichtert meine Hand und ich war ihr dankbar für die beruhigende Berührung…

Doch es sollte nicht der letzte Nervenkitzel des Abends sein. Einige Zeit später – es hatten sich mehrere, kleine Gesprächsgruppen gebildet – stand Jonathan auf und trat entschlossenen Schrittes vor mich. Bevor ich reagieren konnte packte er mich an der Kehle, zog mich näher und drückte meinen Kopf in den Nacken, um meinen Hals zu begutachten. Aus dem Augenwinkel sah ich nach Calliope in der Hoffnung, sie würde nichts Dummes tun und sich selbst auch noch gefährden – gegen Jonathan konnte sie mich eh nicht beschützen. Wenigstens etwas beruhigt stellte ich fest, dass ihre Augen voll Angst und Sorge waren, sie sich jedoch zurückhielt. Dafür erklang neben mir ein erzürntes Fauchen, wie von einer Raubkatze. Morgana war plötzlich neben mir aufgetaucht und funkelte Jonathan böse an.

Neben seiner massiven, mächtigen Gestalt wirkte ihr zarter, zierlicher Körper lächerlich chancenlos, doch was bedeutet Körperkraft schon bei Unsterblichen? Sie haben andere Gaben…

Nach einem kurzen Augenblick ließ Jonathan mich los, strich über meinen Hals und sagte, dieser wäre schön. Als er sich abwandte und zu seinem Platz zurückkehrte, sank ich benommen aber erleichtert in Morganas Arme. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich zu benommen war, um mich bei ihr zu bedanken, dies muss ich bald nachholen…

Der Rest des Abends verlief gemütlich, die Gespräche drehten sich wieder um Toleranz, Werte und Benehmen; man ließ sich aus über den Mangel an Respekt und Höflichkeit mancher Häuser auf dem Ball gegenüber den Gastgebern. Calliope war in Gespräche verwickelt, ich lag etwas abseits der Gruppe auf dem Boden und führte ein sehr angenehmes Gespräch mit Morgana, die sich an meine Brust lehnte und mir tief in die Augen blickte. Ich genoss das Gespräch sehr und bevor ich mich versah liebkoste sie meinen Hals und probierte – mit meiner Erlaubnis – einen Schluck meines Blutes. Als ob sie es merken würde blickte Calliope zu uns. Ich blickte ihr fragend in die Augen, unsicher, ob ich gerade etwas Dummes mache, doch sie lächelte nur kurz und widmete sich ihrem Gespräch. Beruhigt genoss ich Morganas Zärtlichkeit und den Nervenkitzel.

Erst auf der Rückfahrt sollten wir ein gefährliches Missverständnis entdecken: als Calliope zu uns sah, hatte Morgana mich noch liebkost und nicht gebissen, so war Calliope beruhigt und deutete meinen fragenden Blick falsch – sie dachte, ich wollte nur wissen, ob sie mit den Zärtlichkeiten zwischen Morgana und mir einverstanden sei. Deswegen hatte sie zustimmend gelächelt…

Spät in der Nacht endete das Treffen. Beim Abschied forderte Isidor Jonathan zu einer sehr interessanten Wette, bei welcher sich die beiden, von jeweils einem Erwählten begleitet in Taktik und Strategie messen wollen. Jonathan schlug ein und weitere Details sollen bald besprochen werden.

Ich verabschiedete mich möglichst höflich und respektvoll von allen Anwesenden in der Hoffnung, keine weiteren dummen Fehler zu machen. Als ich mich von Jonathan mit besonderer Vorsicht verabschiedete strich er wieder über meinen Hals und äußerte sein Gefallen. Dann lud er mich zu einer großen Festlichkeit ein, welche Haus Khaan im Herbst ausrichten wird und fügte hinzu, er freue sich schon auf ein sehr persönliches, kubanisches Geschenk. Mein Blut gefror, doch ich blieb freundlich – ich werde noch Zeit genug haben, mich um dieses Problem zu kümmern...

2005.03.25 - Zusammenkunft an Karfreitag bei Isidor
Datum:   27.03.2005
Autor:   Santiago
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Theater der Vampire - Vampire Live - von M. Schroeder
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