Theater der Vampire - Vampire Live Rollenspiel mit Nordic LARP Elementen -
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2013.10.05 - Rite de Passage: Am Hofe der Nacht, Brief an Viviana

Liebste Viviana,

es ist mir ein Bedürfnis, Dir wieder zu schreiben.

Meine letzten Zeilen an Dich liegen ja schon eine Weile zurück. Und trotz aller Gefahren bin ich noch am Leben. Aber Du kennst mich ja, ich bin zäh und habe gelernt mich schwierigen Situationen anzupassen. Sonst hätte ich die acht Jahre in Gefangenschaft eines Vampirs wohl kaum überleben können. Das allein hat mich schon verändert.

Nun wo fange ich an? Vielleicht sollte ich Dir sagen, dass ich ein Haus gefunden habe, welches so freundlich war, mich als Gast aufzunehmen und mir Schutz zu gewähren. Ein Haus, das mir meines Erachtens nach die größte Chance auf Überleben gewährleistet und die Möglichkeit meinen Sohn wieder zu finden. Ein großes, respektables und wie ich denke, mächtiges Haus mit dem Namen Hardenberg.

Nichtsdestotrotz bin ich sicher, dass Dragan bereits weiß, dass ich dort untergekommen bin. So unvorsichtig wird er jedoch nicht sein, dort einzudringen. Von dem Schutz und dem Wohlwollen der Vampire dieses Hauses hängt nun mein Leben ab. Ihnen allein traue ich zu, dass sie mich vor ihm beschützen können.

Allerdings habe ich es mit vier Vampiren gleichzeitig zu tun. Was das bedeutet, kannst Du Dir sicher vorstellen. Da ich mit ihnen unter einem Dach lebe, muss ich sehr vorsichtig sein. Im Umgang mit ihnen stets konzentriert sein und darauf bedacht, Fehltritte zu vermeiden.

Wie Du selbst weißt, gehören Geduld und Mitleid nicht gerade zu den Tugenden eines Vampirs. Ich denke, da bilden sie keine Ausnahme. Dessen bin ich mir absolut bewusst. Und als die "Neue", die mal Angehörige des Hauses bzw. Erwählte eines Vampirs werden möchte, wird es mir bestimmt nicht leicht gemacht. Auf diese Tatsache wurde ich schon hingewiesen, als ich den Weg zu ihrem Schloss antrat. Was ich alsdann feststellen konnte, als man mir sagte, dass ich bei meinem ersten Besuch am Hofe einen Fehler begangen hatte und diesen korrigieren müsste.

Dummerweise machte ich einem Vampir mein Blut zum Geschenk. Frag bitte jetzt nicht warum und wieso!

Ich weiß, das war mehr als dumm und unvorsichtig, nein mehr noch...es war gedankenlos. So erhielt ich die Aufgabe dieses Blutgeschenk zurückzuholen, was sich als nicht so einfach erwies.
Blut von einem Vampir zurück zu verlangen, noch dazu, wo ich es freiwillig gab, das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da könnte man ebenso versuchen einer Raubkatze ihr Stück Fleisch wegnehmen zu wollen.

Die Rechnung für meinen Fehler wurde mir von diesem Vampir sogleich präsentiert. Ich musste ihm drei weitere Blutproben von Freiwilligen im Tausch gegen meine Blutprobe bringen.

Drei!

Man könnte jetzt sagen, das war unverschämt und gierig. Aber was kann man von Vampiren schon anderes erwarten? Ich hätte es wissen müssen! Leider blieb mir nichts anderes übrig, als auf seine unverschämte Forderung, denn nichts anderes war es, wenn wir ehrlich sind, einzugehen.

Mit energischer Überzeugungskraft gelang es mir, an die erste Probe zu gelangen. Und damit fing der Ärger an dem Abend schon an. Die arme Liliana, so heißt sie, meine unglückselige erste Spenderin, habe ich damit in mächtigen Schwierigkeiten gebracht. Da sie bereits einem Haus ihre Zusage gab, hätte sie ihr Blut nicht geben dürfen.

Ich verspreche Dir Viviana, hoch und heilig, das habe ich nicht gewollt. Und es tat mir sehr leid, dass sie durch mich Probleme bekam. Ich hoffe sie verzeiht es mir.
Sylphide, die Vampirin ihres Hauses erzürnte ich ebenfalls damit und konnte froh sein, dass sie mich nicht körperlich angriff, zumal zu dem frühen Zeitpunkt des Abends kein Vampir meines Hauses anwesend war.

Die zweite Blutprobe erhielt ich von Joe, die Du mir angekündigt hattest. Vielleicht hätte ich das nicht tun sollen und sie darum bitten, aber in meiner Verzweiflung blieb mir keine andere Wahl. Beschämend ich weiß, aber sie war noch frei und ungebunden und sie gab mir ihr Blut unserer Freundschaft willen. Ich konnte mich auch leider nicht groß um sie kümmern. Aber ich kann Dich beruhigen, sie hat ein Haus gefunden und ist dort erst mal gut aufgehoben. Ich werde Dich diesbezüglich auf dem Laufenden halten.

Die dritte Blutprobe gab mir ebenfalls jemand, der frei und ungebunden war. Ich glaube sein Name war Andre. Vielleicht kann ich ihm einmal helfen, falls er meine Hilfe benötigt.

Was besagter Vampir, namens Mercurius mit den Blutproben anstellt oder was es letztendlich bedeutet, dass er sie noch hat, möchte ich lieber nicht wissen. Zwei davon müssten sich nämlich noch in seinem Besitz befinden, denn die arme Liliana musste ebenfalls ein Handel mit ihm eingehen, um ihr Blut zurück zu bekommen. Mea culpa, mea maxima culpa!

Dieser Abend hat mich aber eines gelehrt: Blut und Gefallen sind am Hofe so etwas wie eine Währung. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht einen einzigen Vampir gibt, der für einen Menschen etwas tut, ohne dafür einen Gegengefallen einzufordern - oder sollte ich weitergehen und sagen, dass es ganz gleich ist, ob es sich um Menschen oder Vampire handelt? Diese Art von Gesellschaft ist wahrlich nicht mit menschlichen Maßstäben zu vergleichen. Und ich hoffe nur, dass ich durch meinen mir auf erzwungenen Blutraub nicht etwas mehr von meiner Menschlichkeit verloren habe, obwohl ich die Schlinge, die mir die Vampire bereits um meinen Hals gelegt haben, schon deutlich spüren kann.

Viviana, glaube mir, wenn ich Dir sage, ich fühle ihren Atem jedes mal ganz nah an meiner Halsschlagader!

Deine

Sandrine

2013.10.05 - Rite de Passage: Am Hofe der Nacht, Brief an Viviana
Datum:   22.10.2013
Autor:   Suri
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Theater der Vampire - Vampire Live - von M. Schroeder
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