Theater der Vampire - Vampire Live Rollenspiel mit Nordic LARP Elementen -
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2009.01.17 - Vergehen: Die Texte des Poetry Slam

Gabriel:

Beitrag Runde 1

Im Spiegel

Der Hof der Nacht, der sein Geschmeide trägt,
nach Lust, nach Blut und auch nach Würden strebt,
an Macht und Schein, und selbst am Stande klebt,
Sein Nichts erhebt und vor nichts je erbebt,
Und tot erträumt er sei der Schöpfung Scheitel.

Sie sagt, weil ich sie sah, die dunkle Welt,
wie sie sich mit sich selbst gefällig stellt,
und sich im Spiegel besser doch als mir gefällt,
sagt mir, der sie nicht für die Beste hält,
ich sei wohl eitel.

Beitrag Runde 2

An ein unbekanntes Opfer

Vergib mir, dass ich Dein Vertrauen nahm,
aus Deiner meeresblauen Seele riss.

Vergib mir, dass ich Deinen Willen brach,
in Deinen Geist mein Flüstern raunte.

Vergib mir, dass ich Dir den Kuss gab,
und Deinem Fährmann seinen Lohn.

Vergib mir, dass ich Dir das Licht nahm,
die Sonne Deines Lebens löschte.

Vergib mir, dass ich all das tat,
Dein Blut auf meinen Lippen.

Vergib mir, dass ich Dir nur Unschuld ließ,
und Dich vor der Erkenntnis wahrte.

Vergib mir, dass ich nicht einmal,
nach Deinem Namen fragte.

Vergib mir meine Eitelkeit,
die Quelle meiner falschen Reue.

Vergib mir, denn in meiner Ewigkeit,
kann ich mir nicht vergeben.



Gwen:

Beitrag Runde 1

Verglast

Ein Blitz, gefühlt vom nackten Horizont
Tauft den Moment auf das Gesehene
Durchbohrt dich kalt, du schönster Schmetterling
Und hält dich gegen das Vergehende

Versiegelt scheinst du, hinter Nebelglas
Vernächtlicht, das bunteste Schillern noch
Verrosteter Zweifel schläft tief im Gefühl
Er sammelt sich rings um das Nadelloch

Bewegungslos reisend, durch fallenden Sand
Erstarrt wo die Zeit längst geflohen ist
Du blendest dich selbst, bis dich niemand mehr kennt
Zeigst ihnen nicht was an der Mitte frisst

Doch manchmal erinnert ein Flügel sich
An etwas, das jenseits der Schönheit lag
Dann scheint eine Sehnsucht durch Schleier und Glas
Und schafft es doch niemals zum Freiheitsschlag



Jeremy (Gewinner):

Beitrag Runde 1

Eitelkeit

Eitelkeit
du kannst mich nicht mehr finden
ich bin der Gleiche für die Seh'nden wie die Blinden
denn kaum erblickt, bin ich auch schon verschwunden
bin der Erinnerung
der mich Erblickenden
sogleich entwunden

Nur manchmal bleibt ein Hauch
ein Schnitt durch Styx lässt seinen Dunst verwehen
Geprägt
durch tiefe Wunden ihres Lebens
kann manchmal - leider selten - eine Sterbliche mich sehen
so daß mein Antlitz
jung für immer
ihr im Herzen bleibt

Doch ach, oh wehe! wenn es Blüten, Knospen, Triebe treibt
denn weltliche Gelüste sind so fern, so lang vorbei
nur die Erinn'rung ruft sie manchmal noch herbei
und kann sie doch nicht binden
- Nein, Eitelkeit: Du kannst mich nicht mehr finden!

Beitrag Runde 2

Nach(t)leben in Berlin

Mein Herz ist hier
niemand
hört es schlagen
hab nicht mehr geatmet
seit dreieinhalb Tagen

Sind die Hände jetzt Fänge?
Ist mein Mund schon ein Maul?
Sieht man mich noch im Spiegel?
Riech' ich schon faul?

Nichts von dem ist geschehen
vielleicht träume ich nur
- ist es Alb oder Wunschtraum
meine neue Natur?

Tag um Tag werd’ ich älter
Doch man sieht’s mir nicht an
dreihundert Jahre
der selbe Mann...

Meine Kraft ist verdoppelt
Und mein Wille: Beton
Kommt doch, Schwäch-linge!
Was könnt Ihr mir schon?

Nun endlich ist’s dunkel
Verschwunden das Licht
Auf geht’s! ich komme!
- was die Nacht wohl verspricht?



Vicente:

Beitrag Runde 1

Göttlich?

Ich bin das, was du nicht kennst
ich bin das Wort, das du nie nennst
ich bin die Angst, die dich beschleicht
ich bin das Leben, das entweicht
ich bin die Nacht, die dich umarmt
ich bin die Lust, die dich umgarnt.

Ich bin die Zeit, die dir entrinnt
ich bin das Ende, das beginnt
ich bin das Glück, das du nicht hast
ich bringe Frohsinn, doch auch Last
ich bin der Stern, der dir nicht scheint
ich bin der Engel, der nicht weint.

Ich bin das Leben und der Tod
ich bin das Lachen und die Not
ich bin das Urteil und die Strafe
ich bin der Käfer in der Larve
ich bin das Alles und das Nichts
ich bin der Wächter deines Lichts.

Ich bin das Leiden, das dich quält
ich bin das, was für dich zählt
ich bin die Kälte, die dich küsst
ich bin dein Land, verdorrt und wüst
ich bin der Spiegel, der nichts zeigt
ich bin die Weide, die sich neigt.

Ich bin der Schmerz, der in dir brennt
ich bin die Leere, die jeder kennt
ich bin der Hass, der dich zerstört
ich bin die Macht, die dich erhört
ich bin der Zweifel, der an dir nagt
ich bin die Hoffnung, die verzagt.

Ich bin das Hier und auch das Dort
ich bin die Sprache und das Wort
ich bin das Gestern und das Heut’
ich bin das Morgen, das dich scheut
ich bin das Feuer und das Licht
du brauchst mich und ich dich nicht!



Victoria:

Beitrag Runde 1

Unbetitelt

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?
Er sieht sie an,
Sie sieht nur sich,
den Saal,
die Spiegel
und den Reichtum.
Die Audienz im Rücken
und jeder fühlt sich schön.
Er weiß und zeigt ihr sein Geheimnis,
doch niemand will es sehen.
Wie Puderschwaden,
Sündenmale, Falten deckend,
wabert Feindschaft durch den Saal.
In falschem Licht wirkt alles vorteilhaft
und ihre Augen sind verschlossen,
nur so dreht sich das Rad-
Er weiß es.
Ihm gegenüber,
gut versteckt
das Bildnis ihrer wirklichen Gesichter
und würden sie es sehen,
so brächen sie in Tränen aus.
Was wahr ist wird nicht gern erkannt.
Nur einer hat den Mut,
trägt keine Maske,
kein Kostüm,
steht still im Raum und lächelt.
Er akzeptiert den Lauf der Zeit
und weiß um seine Schönheit.
Er sieht den Spiegel an und lacht,
streicht über sein eignes Abbild,
malt Male mit den Fingern nach,
die ihn markanter machen.
"Für mich brauchst du nicht lügen alter Freund"
sagt er zu ihm und nickt,
ich kenn die Welt,
ich weiß wies ist,
spiel nur dein Spiel mit ihnen.
In ihrer stillen Zauberwelt,
wo sie sich selbst erkennen,
wird einst im letzten Atemzug,
ein Lächeln sie vom Unglück trennen.
Du wirst es immer sehen
und einen nach dem andern,
wirst du begleiten,
wie auch ich,
bis man uns einstmals bricht.

2009.01.17 - Vergehen: Die Texte des Poetry Slam
Datum:   07.02.2009
Autor:   Vania Juarez-Moreno
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Theater der Vampire - Vampire Live - von M. Schroeder
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