Theater der Vampire - Vampire Live Rollenspiel mit Nordic LARP Elementen -
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2007.05.29 - Tagebucheintrag Melody

Es ist lange her, dass ich das letzte Mal Zeit hatte, einen Tagebucheintrag zu schreiben. Es fühlt sich ein wenig fremd an nach all den Monaten, aber trotzdem ist es noch immer ein vertrautes Gefühl, auch wenn die bisherigen Einträge meist mit etwas Unangenehmen zu tun hatten.

Ich hätte wohl öfter schreiben sollen, aber ich denke, die vergangenen Monate werden mir auch so gut genug in Erinnerung bleiben.

Ich habe viel gelernt, durch Wang-Laoshi und auch durch die Menschen hier, die so völlig anders scheinen als Zuhause. Auch der Abstand zum Hofe der Nacht hat mir gut getan, denke ich. Seit ich das erste Mal zu einem Treffen eingeladen wurde, ist mein Leben Achterbahn gefahren, beinahe schlimmer noch als in den Jahren davor. Der Abstand und die Ruhe, oder zumindest vergleichsweise Ruhe, hatte ich doch hier auch immer etwas zu tun, haben mir sehr geholfen, alles, was ich erlebt habe, seit auch ich zum Hof der Nacht gehöre, zu verarbeiten. Oder zumindest damit anzufangen.

Ich weiß nicht, inwiefern ich vielleicht gereift bin oder nicht, aber ich glaube, ich habe mich verändert und das ist vielleicht ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Aber das wird sich wohl erst herausstellen, wenn ich wieder Zuhause bin.

Die Nachricht, dass es das Haus Abbadon nicht mehr gibt und sich von seinen Angehörigen niemand mehr an das, was vor ihrer...Erschaffung geschah erinnert, hat mich ziemlich schwer getroffen, besonders natürlich AiDo, und immer wieder frage ich mich, wie es nun weiter gehen soll.

Er hat mir versichert, dass ich weiter seine Erwählte bleibe und dass er mich erneut kennen lernen will, aber wie hat er sich verändert? Ist er noch der gleiche Mann...Vampir, den ich kennen lernte und der sich meiner so selbstlos annahm? Was wenn er sich auf eine Art und Weise verändert hat, die...nein, ich will darüber nicht nachdenken.

Ich hoffe einfach, dass er im Inneren immer noch der AiDo ist, den ich kennen lernte und dass sich zwischen uns nicht viel verändert hat.

Ich muss sagen, ich bereue es, mich nicht öfter bei allen gemeldet zu haben, aber mich hat mein Leben hier so eingenommen, dass ich selten wirklich Zeit hatte. Ich hoffe, sie nehmen es mir nicht übel...

Der Grund dieses Eintrages ist jedoch weniger mein Bedauern, sondern ein Mädchen, dass ich vor ein paar Wochen hier auf den Straßen aufgegabelt habe. Es ist komisch, das so zu schreiben, ist es doch noch gar nicht so lange her, als ich genauso aufgegabelt wurde...

Sie ist offenbar genau wie ich Deutsche, auch wenn ihr Name, Bomibi, so gar nicht danach klingt. Es ist auch kein chinesischer oder japanischer Name, vielleicht ist es koreanisch? Ich weiß es nicht und noch wage ich nicht, sie danach zu fragen, scheint sie doch nicht sehr versessen darauf zu sein, über ihre Vergangenheit zu reden. Aber wer, wenn nicht ich, könnte das verstehen?

Ich habe sie in der Nähe von Xidan, einem großen Einkaufsviertel in Beijing, getroffen, auf dem Weg zu einem Patienten. Eigentlich hat sie vielmehr mich getroffen. Sie hat versucht mein Portemonnaie aus meiner Tasche zu stehlen. Es hat mich erschrocken, ein nicht-chinesisches Mädchen hier auf der Straße lebend zu sehen, denn das ist mir in den 8 Monaten, die ich nun schon hier bin, noch nicht untergekommen. Ich war so überrascht, dass ich wohl etwas auf deutsch gesagt haben muss, ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, aber sie hat auf deutsch geantwortet, was mich noch mehr überrascht hat. Ich hab nicht lange überlegt und ihr einen Schlafplatz in meinem kleinen Zimmer angeboten, was im Gegenzug sie ziemlich überrascht hat, hatte sie doch zuvor noch versucht mich zu bestehlen. Aber sie scheint ein recht pragmatischer Mensch zu sein und hat das Angebot ohne wirklich lange zu überlegen angenommen.

Sie hatte ein paar schon fast verheilte Schrammen auf den Knien und ich habe sie nur noch einmal desinfiziert, als wir schließlich bei mir waren, damit sie sich nicht noch entzünden, hatte Bomibi doch offenbar schon seit einiger Zeit nicht mehr die Möglichkeit für ein Bad. Nun, das habe ich geändert und war am nächsten Tag mit ihr einkaufen, um ihr ein bisschen anständige Kleidung zu besorgen.

Ich denke, AiDo wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich seine Kreditkarte dafür benutze. Ich hoffe es zumindest.
Seitdem wohnt sie bei mir und begleitet mich auch hin und wieder auf Hausbesuchen. Sie scheint es nicht wirklich zu mögen, unbeschäftigt zu sein und Wang-Laoshi und ich können eine weitere helfende Hand gut gebrauchen. Ich weiß noch immer recht wenig über sie, außer ihrem Namen und ihrem Alter und dass ihre Eltern wohl Deutsche waren, eigentlich nichts. Wie sie nach China kam oder warum sie nun auf der Straße lebt oder wo ihre Eltern sind...

Es ist nicht so, als wäre sie ungesprächig und auch ich rede mehr als zuvor, aber ich wage es einfach nicht wirklich, sie direkt danach zu fragen, weiß ich doch, wie unangenehm das sein kann. Wenn sie bereit ist, darüber zu reden, wird sie es ganz sicher tun und sie wird ein offenes Ohr bei mir finden. Wenn sie es möchte, werde ich sie mit zurück nach Deutschland nehmen, dann kann sie im Hospiz unterkommen. Und vielleicht...vielleicht ist sie genau wie ich in der Lage durch den Schleier zu blicken.
Ich weiß es nicht, aber die Möglichkeit besteht durchaus.

2007.05.29 - Tagebucheintrag Melody
Datum:   29.05.2007
Autor:   Melody
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Theater der Vampire - Vampire Live - von M. Schroeder
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