Theater der Vampire - Vampire Live Rollenspiel mit Nordic LARP Elementen -
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2013.05.31 - Equinox: Am Hofe der Nacht, Brief an Viviana

Liebste Viviana,

da ich Dich momentan anders nicht erreichen kann, möchte ich dir auf diesem Wege berichten, was ich am Hofe der Nacht erlebt habe. Ich hoffe, dass Dich meine Zeilen erreichen mögen.

Ich muss zugeben, dass ich lange mit mir gekämpft habe mit der Einladung, die Du mir verschaffst hast, am Hofe zu erscheinen. Leichtfertig setzt man bestimmt nicht sein Leben aufs Spiel. Aber hatte ich denn eine Wahl? Nein, sicher nicht. Das war ich Janus schuldig.

Mit klopfenden Herzen und festen Schrittes betrat ich in jener Freitag Nacht den Festsaal. Die Präsenz einer so großen Anzahl an Vampire war das erste, was ich wahrnahm. Raubtiere mit menschlichen Antlitz. In diesem Moment hätte ich am liebsten kehrt gemacht, aber nun gab es kein Zurück mehr. Die Anwesenheit eines Vampirs war mir nicht fremd, aber diese große Anzahl. Man kann es kaum in Worte kleiden, wie es sich anfühlt, wenn man nicht selbst dabei gewesen ist.
Nach einer kleinen Weile fasste ich dann Mut und traute mich, mein Anliegen einigen Vampiren vorzutragen. Ich kann sagen, sie waren durchaus interessiert und der eine oder andere versprach mir zu helfen. Einem Wesen der Nacht zu vertrauen, das fällt mir allerdings immer noch schwer.

Wo ich mich befand, wurde mir so dann auch später deutlich gemacht, als es zwei barocke Vampire nach meinem Blut dürstete und ich ihrer Bitte nachkam, weil ich nicht wusste, ob es unhöflich sei, abzulehnen. Den Schmerz versuchte ich so gut ich konnte nicht zu zeigen, ebenso meine Angst. Wer weiß, ob sie von mir abgelassen hätten, wenn sie keiner davon abgehalten hätte.

Und einer der älteren Vampire, sein Name war Mercurius schlich ständig um mich herum und tauchte des Öfteren plötzlich wie aus dem Nichts direkt hinter mir auf und war meinem Hals immer sehr gefährlich nahe. Ich fühlte mich ein ganz klein wenig umzingelt. Glaub mir Viviana, ich hatte Angst. Und dieser Vampir versteckte seine Gefährlichkeit ironischer weise unter einem Narrenkostüm. Das muss wohl Vampirhumor der besonderen Art sein. Aber hätte ich in dem Moment meine Angst offen gezeigt, so hätte es ihn wohl nur noch mehr angestachelt. Angst ist für Vampire doch so etwas wie ein Aphrodisiakum. Niemals werde ich diese raubtierhaften Augen mit ihrem kalten Glanz, die kein Gefühl von Mitleid zeigten, vergessen. Sie verfolgen mich heute noch in meinen Träumen. Ihm möchte ich nicht allein in einer dunklen Gasse begegnen, wenn er auf der Jagd nach Beute ist.

Nicht, dass das schon gereicht hätte, fiel mich doch ein Hüne von einem Vampir aus einem Templerorden an. Ich glaube sein Name war Lothringus. In dem Moment dachte ich, jetzt wäre es um mich geschehen. Wie ich die Gunst von den Vampiren, die mich vor seiner Attacke gerettet hatten verdiente, kann ich nicht sagen. Sollte es doch noch Vampire geben, die sich ein Teil ihrer Menschlichkeit erhalten haben? Oder vielleicht war meine Zeit einfach nur noch nicht gekommen.

Doch der schlimmste Teil des Abend war für mich den Tod eines Menschen, den ich wenige Stunden zuvor kennen lernen durfte, beiwohnen zu müssen. Wenn ich mich recht erinnere, war sein Name Rogan. Viviana, ich weiß Du verurteilst mich nicht, aber was muss ich für ein Mensch sein der nur Angst um sein eigenes erbärmliches Leben hat. Ich hätte ihm helfen sollen oder es zumindest versuchen können. Doch was hab ich getan, nichts...gar nichts.. ich war nur darauf bedacht, meine eigene Angst nicht zu zeigen. Mich nicht durch mein Herzklopfen zu verraten und die Aufmerksamkeit der Vampire auf mich zu ziehen. Ich schäme mich zutiefst. Oh Gott, bewahre mich davor, dass ich eines Tages nichts mehr fühle bei dem Tod eines Menschen. Ich diesen Wesen blind und bedingungslos folge werde und ihnen mein Blut und mein Leben zum Geschenk mache. Möge dieser Tag niemals kommen. Dann ist die Hölle nicht mehr weit.
Rogans Augen werde ich ebenso nicht vergessen, als sie brachen im Angesicht seines Todes. Und glaub nicht, dass die Vampire groß davon Notiz genommen hätten. Man würdigte ihm keines Blickes, als er tot am Boden lag. Schnell wurde er entsorgt, ....entsorgt wie Unrat. Ein kleiner für sie nicht erwähnenswerter Zwischenfall, nichts weiter. Das sind wir für sie.....Futter. Das wurde mir in diesem Moment wieder bewusst.

Diesen Abend hatte ich dann schon mal überlebt. Am nächsten Tag hatte ich kurz mit dem Gedanken gespielt das Anwesen verlassen zu können. Aber die Türen der Gästeunterkünfte waren verschlossen und ich hatte das Gefühl dass irgendwo draußen Wachen lauerten. Also blieb keine andere Option offen. Aber vielleicht waren die Vampire auch nur sehr fürsorglich und wollten nicht, dass wir uns verlaufen. Entschuldige meinen Zynismus.

Und was soll ich Dir sagen, wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du noch ein Mensch wärst und man Dir an diesem Abend sagt, dass Menschen für ein perfides Spiel auserkoren wurden. Ein Spiel, dem ich nicht hätte entsagen können. Das nur dazu diente den Vampiren Vergnügen zu bereiten. Der einzige Ausweg, der einem offeriert wurde, war einen Vampir zu finden, der für einen bürgt. Das entband vom Spiel...und seien wir ehrlich auch vom Tod. Das war der Zeitpunkt, wo ich ernsthaft an einen Fluchtversuch gedacht hatte. Doch diese Raubtiere hatten ihre Augen und Ohren überall. Vermessen auch nur daran zu denken, dass ich ihnen unbemerkt entkommen wäre.

Die Atmosphäre an diesem zweiten Abend war so bedrohlich und beängstigend, dass sie wie ein Gebilde fast greifbar war. Kein Vergleich zum Abend davor. Dennoch gelang es mir mich einigen Vampiren über mein Problem zu unterhalten. Die Priorin Michelle war eine Vampirin, der ich mich anvertraute und die mir Hoffnung machte und mir ihre Hilfe zusicherte. Sie schien wirklich zum Teil noch etwas menschlich zu sein. Nun weiß ich nur allzu genau, dass Vampire menschliche Gefühle perfekt imitieren können. Es könnte genauso gut eine Täuschung gewesen sein. Doch ich will hoffen, das dem nicht so ist. Ich riskiere viel, wenn ich einem Vampir vertraue.

Wie Du Dir sicher denken kannst, sonst würde ich Dir kaum schreiben können, habe ich eine Vampirin gefunden, die mir ihren Schutz gewährte, damit ich den Löwen bei diesem Spiel nicht zum Fraße vorgeworfen wurde. Sie trug den interessanten Namen Sylphide. Eine Vampirin, engelsgleich mit den Zügen eines eiskalten Killers. Man konnte sich ihr auch nur sehr vorsichtig nähern. Sie einzuschätzen würde mir schwer fallen, geschweige denn ihr mein Vertrauen zu schenken.

Und ehe man sich versah, wurde man wieder zum Spielball eines Vampirs, der mir seine überlegene Macht eindrucksvoll demonstrierte. Vielleicht war er nicht hungrig oder ich hatte nur mehr Glück als Verstand. Nach kurzer Zeit beendete er das Spiel, nachdem er mich in Angst und Schrecken versetzt hatte. Doch wer weiß, ob er bei einem weiteren Zusammentreffen nicht doch einen Schritt weiter gehen würde. Ihn werde ich, sollten wir uns noch mal begegnen, aus sicherer Distanz im Auge behalten.

Viviana,... falls ich den falschen Vampiren vertraut habe und sie mich verraten oder sie mit mir nur gespielt haben, wird dies das letzte Lebenszeichen sein, was du von mir bekommen wirst. Sollte nichts dergleichen geschehen und ich am Leben bleiben, werde ich sie trotz aller Widrigkeiten wieder aufsuchen. Auch wenn ich jedes Mal dabei mein Leben riskiere. Janus ist es wert. Ich hoffe noch immer dass das Schicksal gnädig mit mir ist und ich mit heiler Haut davon komme.

Deine

Sandrine

2013.05.31 - Equinox: Am Hofe der Nacht, Brief an Viviana
Datum:   07.06.2013
Autor:   Suri
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Theater der Vampire - Vampire Live - von M. Schroeder
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