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| Bastet |
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[Vampirin, Haus Nekhrun
(dargestellt von Vanessa Pohlmann)
"Ganz erstaunlich sind die Wandlungen, die manche Nachtgeschöpfe im Laufe ihrer Existenz durchlaufen.
Diese Vampirin, die einst zum Haus der Säulen gehörte und einen anderen Namen trug, kann als exemplarisches Beispiel für die wendungsreichen Wege des Schicksals dienen. Doch sie hat ihre Wahl getroffen und das Rad dreht sich weiter."
(Mercurius, Ordo Arkanum)
Der Vollmond schien so hell wie schon seit langer Zeit nicht mehr und Myriaden von Sternen funkelten wie Diamanten auf dem klaren, pechschwarzen Himmel. Die Luft war so klar, dass man in dem silbrigem Schein des Mondes besser sehen konnte als am hellen Tag und die kalte Winterluft schien jedes Geräusch laut und deutlich meilenweit zu tragen. Die eisige Kälte schien alle Sinne zu schärfen und alle Eindrücke zu intensivieren. Man konnte sogar die pure Luft riechen, wenn man einatmete. WENN man einatmete...
Nicht dass Bastet atmen würde, das brauchte sie schon seit einer Weile nicht mehr. Doch manchmal atmete sie lange durch ihr kleines Näschen ein, um die Witterung von Feinden aufzunehmen. Oder von Opfern. Wie alle Katzen hatte sie ausgezeichnete Augen, doch jeder Sinn der ihr gerade nutzte war ihr auch recht.
Im Augenblick vermied sie es wegen des scharfen Uringestanks einzuatmen; der Fremde hatte sich vor Angst eingenässt, was ihr noch mehr Genugtuung bereitete. Der Geschmack der Angst ließ nach, der Mann hatte schon längst das Bewusstsein verloren, was Bastet bedauerte, da ihn Morpheus Umarmung von seinem Leiden erlöste. Ihr Blick fiel wieder auf die schwarzen Kerzen, die verstreuten Ritualutensilien und das ausgeblutete Kätzchen auf dem Waldboden und instinktiv ließ sie von der Wunde ab um ein Stück weiter die Kehle erneut aufzureißen und neue Schmerzen zuzufügen. Die Witterung des Katzenblutes hatte sie durch den Wald zu dem Satanisten geführt, noch bevor sie seinen Geruch oder seine lächerlichen Teufelsanrufungen wahrgenommen hatte. Der Anblick des neugeborenen Kätzchens wie es abgeschlachtet auf der Erde lag weckte Bastets Zorn und in weniger als einem Atemzug hatte sie sich von einer verschmusten Katze in einen Panther verwandelt: klein, schlank, aber schnell und tödlich.
Das Blut floss nur noch sehr schwach und träge, der Mann hatte viel zu viel davon verloren, als dass das Herz noch weiter schlagen und pumpen könnte, vermutlich setzte es nun aus. Manche Vampire hörten an dieser Stelle auf zu trinken, aber Bastet war nicht gewöhnlich. Wie alle Katzen machte sie ihre eigenen Regeln und tat was sie wollte. Ihre zarten Wangen und ihr schlanker Hals verhärteten sich als sie aus ganzer Kraft weitersog. Jeder Augenblick in dem sie diesem Verbrechen Leid zufügte bereitete ihr Genuss und ihr Hunger war noch lange nicht gestillt. Im Grunde überhaupt nie.
Angewidert ließ Bastet den Toten fallen und hob das tote Kätzchen auf. Sie nahm es auf den Arm wie ein kleines Kind und streichelte es liebevoll. Zuerst würde sie es würdig begraben, ja, im Wald, nah am See, nicht weit vom Haus, wo sie es oft besuchen kann. Und dann würde sie jagen. Sie hatte Durst. Großen Durst.
Früher hatte es ihr wie jeder Katze gereicht mit ihrer Beute ein wenig zu spielen, die Macht zu genießen und die Angst zu riechen und zu schmecken. Seit sie zu Bastet geworden war hatte sie höhere Ansprüche: Blut allein nährte sie nun nicht mehr, sie brauchte jetzt die darin enthaltene Seele. |
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| Datum: |
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26.02.2006 |
| Autor: |
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Santiago |
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Vampirin, Haus Nekhrun
(dargestellt von Saskia Friedrich)
Wenn alle Nachbarn schlafen gangen
und alle Fenster dunkel sind,
bin ich noch wach mit heißen Wangen,
das heimatlose Königskind.
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